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Rentner: Steuern bei Schwerbehinderung sparen

Personen mit einer Schwerbehinderung haben meist höhere Ausgaben für Therapien, Medikamente oder auch die Betreuung als andere Menschen. Daher können sie behinderungsbedingte Mehrkosten steuerlich geltend machen, um den finanziellen Nachteil auszugleichen. Das funktioniert entweder durch einzelne Nachweise oder den jährlichen Behindertenpauschbetrag.
Besonderheiten
  • als Behindertenpauschbetrag
  • oder außergewöhnliche Belastungen
  • abhängig vom Schwerbehindertengrad
  • auch bei behinderten Kindern
Das Wichtigste zusammengefasst
  • Schwerbehinderte Rentnerinnen und Rentner erhalten aufgrund ihrer höheren medizinischen Ausgaben eine steuerliche Vergünstigung, deren Höhe vom Schwerbehindertengrad abhängt.
  • Möglich ist entweder eine pauschale Inanspruchnahme eines Pauschalbetrags oder der Einzelnachweis tatsächlich entstandener Ausgaben über die außergewöhnlichen Belastungen.
  • Bei einem behinderten Kind kann der Pauschbetrag auf die Person übertragen werden, die das Kindergeld erhält.

In der Rente Steuern zahlen

Grundsätzlich sind auch Rentner und Rentnerinnen zur Zahlung von Steuern verpflichtet, wenn das Einkommen über dem Grundfreibetrag liegt. Maßgeblich sind dabei zunächst alle Einkünfte, die gegebenenfalls neben der Rente erzielt werden.

Mit einer Schwerbehinderung besteht allerdings die Möglichkeit, zusätzliche Ausgaben geltend zu machen und die Steuerlast damit zu senken.

Wann liegt eine Schwerbehinderung vor?

Um als schwerbehindert zu gelten, muss der Grad der Behinderung mindestens 50 betragen. Ob eine Schwerbehinderung vorliegt, entscheidet das Versorgungsamt. Andernfalls galt bis 2020 die Regelung, dass bestimmte Voraussetzungen vorliegen müssen, um den Pauschbetrag in Anspruch nehmen zu können:

  • Es besteht aufgrund der Behinderung ein gesetzlicher Anspruch auf Rente oder andere laufende Bezüge. Dazu gehört nicht die klassische Rente aus der Gesetzlichen Rentenversicherung.
  • Die Behinderung hat zu einer dauerhaften Einbuße der körperlichen Beweglichkeit geführt oder entstand durch eine Berufskrankheit.

Die Voraussetzungen sind ab 2021 allerdings hinfällig. Seitdem gilt der Steuerfreibetrag ab einem GdB von 20.

Der Behindertenpauschbetrag

Der Behindertenpauschbetrag ist eine bequeme Art, um den Mehraufwand schwerbehinderter Rentnerinnen und Rentner in der Steuererklärung geltend zu machen. Möglich ist hier, einen pauschalen Betrag für sogenannte behinderungsbedingte Ausgaben in der Steuererklärung geltend zu machen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die tatsächlichen Kosten geringer ausgefallen sind.

Auch gilt der Pauschalbetrag jeweils für das gesamte Jahr – unabhängig davon, ob die Behinderung nur einen Teil des Jahres bestanden hat. Ändert sich der Behinderungsgrad im Laufe eines Jahres, profitieren Sie das komplette Jahr vom höheren Pauschbetrag.

Die Höhe des Behindertenpauschbetrages

Die Höhe des jährlichen Pauschbetrages hängt vom Grad der persönlichen Behinderung (GdB) ab. Dieser wurde durch einen ärztlichen Gutachter oder das Versorgungsamt ermittelt und ist im Behindertenausweis festgehalten.

Grad der Behinderung (GdB) zwischen … Pauschbetrag (pro Jahr) einschließlich 2020 Pauschbetrag (pro Jahr) ab 2021
20 Prozent 384 Euro
25 und 30 Prozent 310 Euro 620 Euro
35 und 40 Prozent 430 Euro 860 Euro
45 und 50 Prozent 570 Euro 1.140 Euro
55 und 60 Prozent 720 Euro 1.440 Euro
65 und 70 Prozent 890 Euro 1.780 Euro
75 und 80 Prozent 1.060 Euro 2.120 Euro
85 und 90 Prozent 1.230 Euro 2.460 Euro
95 und 100 Prozent 1.420 Euro 2.840 Euro
Blinde oder hilflose Behinderte* 3.700 Euro 7.400 Euro

* Merkmal „Bl“ oder „hilflos“ ist im Schwerbehindertenausweis eingetragen

Quelle: https://www.buhl.de/steuernsparen/behindertenpauschbetrag/

Pflegebedürftigkeit und Pauschbetrag

Pflegebedürftige mit einem Pflegegrad von 4 oder 5 benötigen keinen Schwerbehindertenausweis, um den Behindertenpauschbetrag in Anspruch nehmen zu können. Geben Sie den Pflegegrad in der Steuererklärung an, erhalten Sie stets den höchsten Pauschbetrag.

Behindertenpauschbetrag und andere Kosten

Setzen Sie den Behindertenpauschbetrag in der Steuererklärung an, gelten andere Kosten, die aufgrund einer Behinderung entstehen, automatisch als abgegolten:

  • Futter und Pflege eines Blindenhundes
  • Kosten für Körperpflege und Hygiene
  • diätische Nahrungsergänzungsmittel
  • Aufwendungen für Hilfen im Alltag
  • Pflegekosten

Tatsächlich höhere Kosten für Pflegeaufwendungen sind bei der Inanspruchnahme des Pauschbetrages nicht mehr anrechenbar. Das ist nur möglich, wenn Sie auf den Pauschbetrag verzichten und alle Kosten als außergewöhnliche Belastungen geltend machen.

Weiterhin als außergewöhnliche Belastung absetzbar sind bei einem Pauschbetrag weiterhin lediglich die Kosten für folgende Aufwendungen:

  • Operationskosten
  • Kosten für Heilbehandlungen
  • Medikamenten und Arztkosten
  • Führerscheinkosten für ein schwer geh- und stehbehindertes Kind
  • Kuren
  • Reisebegleitung
  • Umrüstung eines Pkw
  • Kraftfahrzeugkosten (Fahrtkosten behinderter Menschen entweder Öffentlicher Nahverkehr oder Pkw 0,30 €/km), z. B. zu ärztlichen Behandlungen
  • Schulgeld, wenn ein behindertes Kind eine Privatschule besucht
  • Kosten für die behindertengerechte Ausgestaltung des Wohnraums

Als Werbungskosten hingegen gelten Kraftfahrzeugkosten (Fahrtkosten behinderter Menschen entweder Öffentlicher Nahverkehr oder Pkw 0,30 €/km), wenn ein GdB von 70 oder von 50 bei gleichzeitiger Gehbehinderung vorliegt.

Bei der Beschäftigung einer Haushaltshilfe verringert sich die Steuer im Rahmen der haushaltsnahen Dienstleistung um 20 Prozent der Aufwendungen bis zu einer maximalen Summe von 4.000 Euro jährlich. Gleiches gilt für eine behinderungsbedingte Heimunterbringung.

Behindertenpauschalen für Partner, Partnerinnen und Kinder

Der Pauschbetrag ist personenbezogen. Sind beide Ehepartner behindert und werden sie in der Steuererklärung gemeinsam veranlagt, dann stehen beiden Personen die Pauschalen in vollem Umfang zu. Getrennt veranlagte Paare nutzen dann jeweils ihren eigenen Pauschbetrag für die Steuererklärung.

Auch behinderte Kinder haben einen Anspruch auf den Pauschbetrag. Erhalten Sie für ein Kind Kindergeld, können Sie den Pauschbetrag auf sich übertragen und steuerlich geltend machen. Dafür gibt es entsprechende Zeilen in der Anlage des Kindes. Diese müssen Sie in jedem Jahr aufs Neue ausfüllen.

Behindertenpauschbetrag beantragen

Um den Behindertenpauschbetrag zu beantragen, tragen Sie Ihren eigenen Pauschbetrag gemäß der Tabelle in den Mantelbogen bei “Steuervergünstigungen für behinderte Menschen und Hinterbliebene” und fügen als Nachweis einfach eine Kopie Ihres Behindertenausweises bei.

Außergewöhnliche Belastungen anstelle des Pauschbetrags

Neben dem Pauschbetrag ist es möglich, die tatsächlich entstandenen Kosten steuerlich geltend zu machen. Das ist zwar mit einem höheren Aufwand verbunden, da Sie alle Belege sammeln und einreichen müssen, lohnt sich allerdings, wenn die Aufwendungen den Pauschbetrag übersteigen. Diese sogenannten außergewöhnlichen Belastungen liegen vor, wenn Ausgaben

  • außergewöhnlich sind,
  • zwangsläufig entstehen,
  • notwendig und angemessen sind sowie
  • eine finanzielle Belastung für Sie darstellen.

Auch für Pflegebedürftige lohnt sich die Einzelaufstellung der Kosten eventuell, da bei einer Inanspruchnahme des Pauschbetrags der Abzug von Pflegekosten entfällt. Hier lohnt es sich, vorab exakt auszurechnen, was sich tatsächlich lohnt.

Bei den außergewöhnlichen Belastungen berechnet das Finanzamt jedoch einen zumutbaren Eigenanteil, den Sie selbst tragen müssen. Dieser richtet sich nach der Höhe der Einkünfte. Erst nach Überschreiten dieser Grenze profitieren Sie von den steuermindernden Belastungen.

Zumutbare Belastung in Prozent Ihres Gesamtbetrags der Einkünfte (Ges.d.E.)

Kinder Ges.d.E. bis 15.340 Euro Ges.d.E. über 15.340 Euro bis 51.130 Euro Ges.d.E. über 51.130 Euro
kein Kind und es gilt der Grundtarif 0,05 0,06 0,07
kein Kind und es gilt der Splittingtarif 0,04 0,05 0,06
ein oder zwei Kinder 0,02 0,03 0,04
drei oder mehr Kinder 0,01 0,01 0,02

Es ist im Übrigen nicht möglich, sehr hohe Belastungen wie den Umbau einer Wohnung, deren Kosten vielleicht sogar die Summe der Einkünfte übersteigt, auf mehrere Jahre zu verteilen. Hier gilt das sogenannte Abflussprinzip, d. h. die Aufwendungen sind nur in dem Jahr absetzbar, in dem sie auch entstanden sind.

Weiterführendes

Der BR informiert über den Schwerbehindertenausweis:

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